5 Argumente gegen Fisch

Gesund, schmackhaft, ein unbedenkliches Naturprodukt – Fisch gehört regelmäßig auf unseren Speiseplan. Oder? Es gibt auch gute Gründe, auf Fisch zu verzichten.

Fischfang ist grausam

Ob Fische tatsächlich Schmerz empfinden oder nicht, ist umstritten. Allein die Möglichkeit, dass sie leiden könnten, lässt jedoch die Mehrzahl der heutigen Fang-, Zucht- und Tötungsmethoden grausam erscheinen. In der Regel ertrinken, ersticken oder verbluten die Fische langsam und ohne Betäubung.

Bei einem Großteil der Fangmethoden werden zudem große Mengen an Beifang in Kauf genommen. Oft sind das größere Fische wie Rochen oder Haie, aber auch Säugetiere wie Wale und Delfine, Schildkröten und Meeresvögel verenden regelmäßig in den Netzen und Leinen. Je nach Fangmethode und befischter Tierart können bis zu 90 Prozent eines Fangs Beifang sein. Schätzungen zufolge macht der Beifang bis zu 40 Prozent der weltweiten Fangmenge aus.

Ob der einzelne Fisch Schmerzen leidet, mag unklar sein, das Ökosystem Meer aber leidet definitiv: Ein Großteil der im industriellen Fischfang verwendeten Fangmethoden verursacht ernsthafte Schäden in den Ozeanen. Weit verbreitet sind vor allem verschiedene Varianten von Grundschleppnetzen, die am Meeresboden entlang gezogen werden. Sie hinterlassen tiefe Furchen im Meeresgrund, zerstören Felsformationen und Korallenriffe und so den Lebensraum zahlreicher Arten.

Die Meere sind leer

Die meisten Fische, die auf unseren Tellern landen, stammen aus überfischten Beständen. Laut Welternährungsorganisation FAO sind derzeit über 30 Prozent der weltweiten Fischbestände überfischt. Rund 60 Prozent der Fischbestände werden bis an die Grenze genutzt – das heißt, die Bestände können gerade so erhalten werden, eine Erhöhung der Fangmengen würde schnell zu Überfischung führen. „Überfischt“ bedeutet, dass mehr Fische gefangen werden als auf natürliche Weise „nachkommen“ können, die Bestände schrumpfen.

Überfischung: Grafik
Über 30 % der weltweiten Fischbestände sind überfischt. (Grafik: © FAO 2016, The State of World Fisheries and Aquaculture, S. 39, PDF)

Die kommerzielle Fischerei hat so in den vergangenen Jahrzehnten eine Vielzahl von Meereslebewesen an den Rand der Ausrottung gedrängt – nicht zuletzt durch die hohen Beifangmengen. Diese Entwicklung bringt nicht nur das natürliche Ökosystem der Meere durcheinander, sondern verschärft auch die Kluft zwischen Entwicklungs- und Industrieländern. Denn längst fischen europäische Supertrawler auch die Küstengewässer vor Afrika und Südamerika leer und afrikanischer Fisch wird um die halbe Welt geflogen.

Gerade die Bestände beliebter Speisefischarten wie beispielweise Kabeljau, Makrele, Sardelle, Pazifischer Pollack („Alaska-Seelachs“) und Thunfisch sind laut FAO großenteils am Limit oder sogar überfischt. Alleine über 40 Prozent der Bestände der sieben wichtigsten Thunfischarten gelten als überfischt. Im Mittelmeer gelten sogar über 90 Prozent der Fischbestände als überfischt.

Im jährlich aktualisierten Greenpeace-Fischratgeber listet die Umweltschutzorganisation auf, welche Fischarten (noch) zu empfehlen sind und welche nicht.

Aquakultur ist Massentierhaltung

Inzwischen stammt laut FAO rund die Hälfte des weltweit verzehrten Fischs aus Aquakulturen. Diese werden zwar häufig als ökologische Alternative genannt, sie aber oft genauso wenig nachhaltig wie der Wildfang.

Aquakulturen können helfen, gefährdete Bestände zu schonen, doch sie weisen einige typische Merkmale und Probleme der Massentierhaltung auf. Die auf schnelles Wachstum gezüchteten Tiere werden – entweder in künstlichen Teichen oder in Käfigen in offenen Gewässern – auf engstem Raum gehalten. Weil sie dadurch krankheitsanfällig sind, werden sie oft mit Antibiotika und anderen Medikamenten behandelt, deren Rückstände sich auch im Filet noch finden. Die Ausscheidungen der Fische verschmutzen die Gewässer und führen zu deren Überdüngung. Besonders „offene“ Aquakultur-Syteme im Meer oder in Flüssen bergen die Gefahr, die umgebenden Gewässer mit Futterresten, Fäkalien, Medikamenten und Chemikalien zu belasten.

Aquakultur: Tilapia
Tilapia in Aquakultur (Foto: ” Soy Aquaculture – Tilapia” von United Soybean Board unter CC-BY-2.0)

Nicht selten kommt in Aquakulturen gentechnisch verändertes Futter zum Einsatz. Zudem werden Raubfische wie Lachse oder Forellen in Zuchtanlagen häufig mit wild gefangenem Fisch bzw. daraus gewonnenen Futtermitteln gefüttert, was die Überfischung der Meere weiter vorantreibt. Laut WWF braucht man zur Produktion von einem Kilogramm Lachs beispielsweise etwa vier Kilogramm Fischeiweiß, pro Kilogramm Thunfisch sogar rund 20 Kilogramm tierisches Eiweiß.

Einige beliebte Speisefische wie zum Beispiel Pangasius und Tilapia werden inzwischen fast ausschließlich in Aquakulturen gezüchtet – häufig in Asien. Eine ARD-Dokumentation deckte 2011 auf, wie die Pangasius-Zucht in Vietnam unkontrolliert Antibiotika und Chemikalien einsetzt und die Gewässer verschmutzt.

Die Siegel sind schwach

Genau wie für andere Lebensmittel haben sich auch für Fischprodukte inzwischen einige Siegel etabliert, die Verbrauchern Orientierung bieten sollen.

Am weitesten verbreitet ist das Siegel des Marine Stewardship Council (MSC). Laut MSC müssen die zertifizierten Unternehmen Fischbestände nachhaltig und mit umweltschonenden Methoden befischen. Die Organisation hat damit einen Beitrag dazu geleistet, dass Nachhaltigkeit als Kriterium für Fischereiindustrie, Handel und Verbraucher überhaupt eine Rolle spielt. Dennoch gerät der MSC immer wieder in die Kritik, weil er in der Praxis den industriellen Fischfang stark überfischter Bestände und zerstörerische Fangmethoden wie Grundschleppnetze zulässt.

Argumente gegen Fisch: MSC-Siegel
Das MSC-Siegel erlaubt teils den Fang überfischter Bestände. (Foto: © Utopia)

Auch am hierzulande weniger bekannten Siegel der Organisation „Friend of the Sea“ (FOS) gibt es Kritik: Obwohl die Kriterien für Wildfang etwas strenger sind als die des MSC, stammt Wissenschaftlern und Umweltschützern zufolge ein Teil der zertifizierten Ware aus überfischten Beständen. Greenpeace kritisiert zudem Intransparenz und dass es in den Aquakulturen keine präzisen Vorgaben für das Futter gibt.

Die EU-Verordnung für ökologische Aquakultur aus dem Jahr 2009 legt einige sinnvolle Mindestkriterien fest, Greenpeace aber hält beispielsweise jene für Besatzdichte und Chemikalien für zu schwach.

Auch bei den beiden Zertifizierungssystemen ASC und GLOBAL G.A.P. für Fisch aus Aquakulturen finden sich Lücken in den Nachhaltigkeitsstandards, beispielsweise, was die Herkunft des Futters angeht.

Das relativ weit verbreitete SAFE-Siegel zertifiziert ausschließlich „delfinsicher“ gefangenen Thunfisch, berücksichtigt aber weder die Überfischung der Bestände noch die Fangmethode.

Kaum verbreitet sind leider die strengsten Zertfizierungen: die Richtlinien der Bioverbände Naturland (Aquakulturen und Wildfisch) und Bioland (Aquakulturen).

Greenpeace schreibt zum Stand der Fisch-Siegel:

„Obgleich die vorhandenen Zertifizierungen einen Schritt in die richtige Richtung darstellen, können sie dennoch nicht garantieren, dass alle zertifizierten Produkte aus wirklich nachhaltigen Fischereien bzw. Aquakulturen stammen.“

Fisch ist nicht so gesund wie man glaubt

Ein bis zweimal die Woche Fisch? Die meisten Ernährungsexperten sind sich einig: Fisch ist gesund für den Menschen. Unbestritten ist, dass Fisch reich an Omega-3-Fettsäuren ist und dass diese wichtig für die menschliche Ernährung sind. Doch nicht nur Fisch, sondern auch einige pflanzliche Lebensmittel und Öle enthalten Omega-3-Fettsäuren, beispielsweise Leinöl, Hanföl, Rapsöl, Weizenkeimöl und Walnüsse sowie spezielle Präparate aus Mikroalgen. Auch Jod, Vitamin D und Proteine, die in Fisch reichlich enthalten sind, können problemlos aus pflanzlichen Quellen aufgenommen werden.

Argumente gegen Fisch: Leinöl enthält Omega 3-Fettsäuren
Auch Leinöl enthält Omega-3-Fettsäuren. (Foto: © emmi – Fotolia.com)

Unter Umständen stecken in Fisch neben all den gesunden Substanzen jede Menge Schadstoffe. Schwermetalle wie Quecksilber, Industriegifte wie PCB (polychlorierte Diphenyle) und Dioxine, aber auch kleinste Plastikpartikel, Antibiotika und Pestizide finden sich regelmäßig in Fischen verschiedenster Herkunft. Insbesondere Raubfische wie Thunfische, Lachse, Schwertfische oder Hechte sind belastet. Das Bundesumweltministerium rät schwangeren Frauen daher sogar vom Verzehr dieser Fischarten ab.

Welchen Fisch kann man jetzt noch essen?

Alle, die nicht ganz auf Fisch verzichten möchten, sollten beim Kauf zumindest auf ein paar Dinge achten:

  • Der Greenpeace-Fischratgeber ist in seinen Empfehlungen sehr streng – nur eine Fischart ist demnach uneingeschränkt empfehlenswert. Für viele Fischarten allerdings gibt es Ausnahmen, die bestimmte Fanggebiete und Fang- bzw. Zuchtmethoden umfassen. Die extrem zurückhaltenden Empfehlungen sind der extremen Situation geschuldet. Wenn du wirklich vermeiden möchtest, Fisch aus überfischten Beständen und zerstörerischen Fang-bzw. Zuchtmethoden zu kaufen, nimm dir die Warnungen und Empfehlungen zu Herzen.
  • Etwas mehr Fischarten empfiehlt der WWF -Einkaufsratgeber, er empfiehlt zudem auf die MSC-Zertifizierung zu achten. Dabei garantiert das MSC-Siegel keineswegs Nachhaltigkeit.
  • Greenpeace und WWF sind sich nur bei wenigen Fischarten einig, dass diese vertretbar sind, zum Beispiel: Karpfen aus Aquakultur, Regenbogenforelle aus Naturland-zertifizierter Teich-Zucht aus Dänemark, Pazifischer Lachs aus Wildfang aus dem Nordostpazifik vor Alaska, mittels Ringwaden gefangene Europäische Sardelle aus dem Golf von Biskaya (Nordostatlantik), mit Leinen gefangener Seelachs (Köhler) aus dem Nordostatlantik vor Island, Bonito-Thunfisch aus dem Westpazifik (gefangen mit Angelleinen oder Ringwaden ohne Fischsammler) und Gelbflossen-Thunfisch aud dem westlichen Zentralpazifik (Indonesien, Philippinen), gefangen mit Handleinen.
  • Die Bio-Anbauverbände Naturland und Bioland zertifizieren nachhaltig gefangen bzw. gezüchteten Fisch. Ihre Richtlinien sind sehr streng, allerdings sind die Siegel derzeit nicht sehr weit verbreitet. Zertifizierte Produkte findest du in Bioläden.
  • Genau wie Fleisch ist auch Fisch eigentlich ein Luxusprodukt – das bedeutet: besser selten und dafür gute Qualität kaufen.

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