5 Argumente gegen Mineralwasser

Ist Mineralwasser wirklich gesünder als Leitungswasser? Und ist dir klar, wie viel mehr du dafür bezahlst? Wasser ist das wichtigste Lebensmittel überhaupt – darum sollten wir nicht blind denen vertrauen, die es uns verkaufen wollen.

 

1. Mineralwasser ist nicht ganz sauber

Wasser ist rein, frisch und gesund. Oder? So klar das Wasser im Glas aussieht, so undurchsichtig ist oft seine Qualität. Im Mineralwasser-Test fand die Stiftung Warentest im Juni 2015 in 14 von 20 getesteten Mineralwässern Verunreinigungen: Rückstände von einem synthetischen Süßstoff, von Pestiziden und von einem Korrosionsschutzmittel.

Auch im erneuten Test 2016 fanden die Tester Keime sowie Spuren eines Glyphosat-Abbauproduktes. Zu ähnlichen Ergebnissen kam Öko-Test 2013: In rund einem Fünftel der getesteten Produkte wurden Pestizidrückstände gefunden. Laut beider Mineralwasser-Tests sind die Rückstände in den gefundenen Mengen zwar harmlos für unsere Gesundheit. Zweifel an der angeblichen Reinheit des Wassers bleiben dennoch.

Stiftung Warentest 06/2015: Mineralwasser im Test
Mineralwasser im Test (Bild: © Stiftung Warentest)

Auch am gesundheitsfördernden Nährstoffgehalt darf man zweifeln: Die Stiftung Warentest fand sowohl im Juni 2015 als auch im Juli 2016 heraus, dass lediglich etwa jedes fünfte der getesteten Mineralwässer einen hohen Mineralstoffgehalt hat. Zudem finden Wissenschaftler in Mineralwasser immer wieder hormonell wirksame Substanzen, deren Ursprung weitgehend ungeklärt ist. Vermutlich stammen sie zumindest zum Teil aus den PET-Flaschen.

Zwar sind Verunreinigungen durch Pestizide, Bakterien oder Medikamentenrückstände auch im Leitungswasser nicht ausgeschlossen. Grundsätzlich aber gilt Trinkwasser aus dem Hahn in Deutschland als das am strengsten und häufigsten kontrollierte Lebensmittel. Bei Messungen erfüllen regelmäßig über 99 Prozent der Proben sämtliche Anforderungen.

Die Stiftung Warentest kam im Juli 2016 nach der Untersuchung von Leitungswasser-Proben aus 13 deutschen Bundesländern zu dem Ergebnis: Leitungswasser ist meist besser als Mineralwasser. Keine der 28 Proben überschritt die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte, es wurden weder Rückstände von Pestiziden wie etwa Glyphosat noch von Hormonen aus der Anti-Baby-Pille gefunden.

Die Vorgaben der Trinkwasserverordnung sind dabei deutlich strenger als jene der Mineral- und Tafelwasserverordnung. Das bedeutet andersherum: In Mineralwasser dürfen mehr Schadstoffe enthalten sein als in Leitungswasser.

Prof. Dr. Bernd Schäfer vom Bundesamt für Risikobewertung (BfR) bezeichnet Trinkwasser im Interview mit der Stiftung Warentest „aufgrund umfangreicher Aufbereitung allgemein als unproblematisch“. Leitungswasser also, da scheinen sich die Experten einig zu sein, ist in der Regel mindestens genauso „sauber“ wie Flaschenwasser.

Übrigens: Mineralwasser muss keinen Mindestgehalt an Mineralstoffen enthalten. So ist es ortsabhängig gut möglich, dass Leitungswasser mehr Mineralstoffe enthält als abgefülltes Mineralwasser. Zudem nehmen wir mit der Nahrung eigentlich schon genügend Mineralstoffe auf und sind nicht auf jene aus dem Mineralwasser angewiesen – und können also getrost Leitungswasser trinken. (Siehe zum Beispiel diese Studie der Universität Paderborn)

2. Mineralwasser stammt oft nicht aus der Region

Insgesamt über 500 Mineralwässer werden in Deutschland angeboten; fast jede Region hat ihre eigenen Brunnen. Im Prinzip also kann Mineralwasser ein regionales Lebensmittel sein. Dennoch kaufen viele Konsumenten Wasser aus Quellen, die hunderte oder gar tausende Kilometer entfernt liegen. Das beliebte Gerolsteiner etwa stammt aus Rheinland-Pfalz, verkauft wird es aber auch in Niederbayern und Mecklenburg-Vorpommern. Noch weitere Wege legen zum Beispiel Volvic und Evian zurück.

Die langen Transportwege sorgen für unnötige CO2-Emissionen und sind somit unter ökologischen Gesichtspunkten äußerst problematisch. Hinzu kommt, dass einige Mineralwassermarken wie etwa Apollinaris, Gerolsteiner, Vio oder Volvic Eigentums-Verflechtungen mit mächtigen internationalen Konzernen und Investoren haben – darunter Coca-Cola, Bitburger und Danone.

Anders als die Mineralwasserbrunnen befindet sich der Großteil der Wasserversorger in Deutschland – noch – in kommunalem Besitz und unser Leitungswasser stammt aus regional verfügbarem Grund-, Quell- oder Oberflächenwasser.

Mineralwasser: Lange Transportwege, mächtige Konzerne
Mineralwasser: lange Transportwege, mächtige Konzerne (Foto: © Utopia)

3. Plastikflaschen sind nicht harmlos

Vier von fünf Mineralwässern werden inzwischen in PET-Flaschen verkauft. PET aber wird wie die meisten Kunststoffe unter hohem Energieaufwand auf der Basis von Erdöl hergestellt und ist schon allein aus diesem Grund ökologisch fragwürdig. Glücklicherweise sind hierzulande inzwischen überwiegend Pfandflaschen im Einsatz.

Doch viele Mineralwässer, allen voran die der Discounter, werden in Einweg-Pfandflaschen verkauft, die schon nach einmaligem Gebrauch geschreddert und aufwendig recycelt werden. Das verbraucht viel Energie und Recycling ist bei Plastik grundsätzlich nur begrenzt möglich – anders als bei Glas. Landen die Plastikflaschen in der Natur, werden sie dort über Jahrhunderte kaum abgebaut.

Ein weiteres Problem: PET-Flaschen können gesundheitsschädliche Chemikalien wie beispielsweise Acetaldehyd an ihren Inhalt abgeben; die Wirkung vieler Substanzen ist dabei noch gar nicht erforscht.

Mehrwegflaschen aus PET können bis zu 25 Mal wieder befüllt werden, Glasflaschen werden sogar bis zu 50 Mal wieder verwendet. Die Ökobilanz der beiden ist ähnlich – zumindest bei kurzen Transportwegen. Bei langen Wegen verursacht der Transport von Glasflaschen aufgrund des höheren Gewichts etwas mehr CO2. Das heißt: Wenn es denn unbedingt Mineralwasser sein soll, dann kauf am besten regionales Wasser in Glasflaschen.

Mit Abstand die umweltfreundlichste Lösung ist Leitungswasser, da weder Verpackung noch Transport notwendig ist. Mithilfe eines Wassersprudlers kann auch Leitungswasser mit Kohlensäure versetzt werden und wieder verwendbare Trinkflaschen ermöglichen es, auch unterwegs Leitungswasser zu trinken.

BPA-freie Trinkflaschen

4. Mineralwasser ist teuer

Die billigsten Mineralwässer kosten knapp 15 Cent pro Liter, Marken-Mineralwässer schon um die 70 Cent, die Skala ist nach oben offen. Designer-Wässerchen wie zum Beispiel Voss kosten auch schon mal 1,80 Euro für den halben Liter. Ein Liter Leitungswasser kostet weniger als 0,2 Cent.

Für einen Sechserpack mit 1,5 Liter-Flaschen billigsten Mineralwassers zahlt der Verbraucher also in etwa 1,35 Euro. Für dieselbe Menge Leitungswasser fallen nicht einmal 2 Cent an. Wer auf Leitungswasser umsteigt, kann also eine ganze Menge Geld sparen.

Auch dann, wenn du dir eine wieder befüllbare Trinkflasche zulegst: Trinkflaschen für unterwegs sind zwar nicht immer billig, aber in der Regel extrem langlebig. Speziell Edelstahlflaschen machen alles mit und halten Jahrzehnte – der Kaufpreis lohnt sich also im direkten Vergleich mit dem ständigen Mineralwasserkauf sehr schnell.

5. Konzerne machen schmutzige Geschäfte mit Flaschenwasser

Seit 2010 ist das Recht auf Zugang zu sauberem Wasser als Menschenrecht verankert. Doch während es Millionen von Menschen an sauberem Trinkwasser mangelt, behandeln Konzerne wie Nestlé, Coca Cola und PepsiCo es weiterhin als profitables Handelsgut. Die Unternehmen kaufen allgemein zugängliche Quellen auf, füllen das Wasser in Flaschen ab und verkaufen es dann als Mineral- oder Tafelwasser teuer an die Konsumenten.

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