Rekordpreis-Warum Butter so teuer ist

Ein Stück Butter kostet bei Aldi fast zwei Euro – so viel wie nie seit Einführung des Euro. Dafür gibt es sieben Gründe.

Butter und Brot

In den vergangenen drei Jahren waren die Milchpreise sehr niedrig. Doch nun kostet ein Stück Butter bei Aldi 1,99 Euro – das ist der höchste Preis seit Einführung des Euro. Im April lag der Preis noch bei 1,19 Euro, Anfang Juli bereits bei 1,79 Euro. Andere Supermärkte orientieren sich üblicherweise an den Discounterpreisen.

Die Inflationsrate ist in Deutschland auf 1,8 Prozent gestiegen. Die Preise für Lebensmittel, vor allem für Butter und Molkereiprodukte, legten im August zu. Nahrungsmittel waren laut vorläufigen Werten des Statistischen Bundesamts im Schnitt um drei Prozent teurer als im Monat des Vorjahres. Laut dem Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks mussten bereits viele Bäcker ihre Preise für Butterbrezeln oder Plunder anheben.

Was steckt hinter der Preissteigerung?

  • Weniger Produktion. Im Jahr 2015 beschloss die EU, eine feste Quote für die Milchproduktion aufzuheben. Daraufhin stieg die Produktion in einigen Ländern an, und die Preise sanken. Gleichzeitig war die internationale Nachfrage nach Milch laut Björn Börgermann vom Milchindustrieverband (MIV) sehr niedrig, was die Preise noch weiter nach unten drückte. Im Frühjahr 2016 demonstrierten Milchbauern in Berlin gegen den Preisverfall: Ein Stück Butter kostete nur noch 70 Cent. Viele Bauern gaben deswegen die Produktion ganz auf oder stellten auf Bioverfahren um, die erst nach einigen Jahren ertragreich sind. Die Produktion dieser Landwirte fehlt nun.
  • Weniger Milchfett. Viele Bauern waren angesichts der niedrigen Preise gezwungen, das Futter der Kühe umzustellen. Je geringer die Qualität des Futters, desto weniger Milchfett bilden die Kühe – und umso weniger Butter kann produziert werden.
  • Wetter. Für das globale Preisniveau spielt die Witterung in wichtigen Produktionsländern wie Australien eine Rolle. Die Tiere produzieren bei Hitze weniger Milch. Zu wenig Regen führt zudem zu schlechter Ernte, was es für die Bauern schwieriger macht, die Tiere zu füttern. Somit verknappt sich das Angebot.
  • Wachsende Nachfrage. Inzwischen ist die weltweite Nachfrage nach Butter wieder gestiegen. “Verbraucher wissen Milchfett von Neuem zu schätzen”, sagt Börgermann, es werde erneut mehr industriell verarbeitet. Lange Zeit waren pflanzliche Fette deutlich beliebter als tierische. Das in Butter enthaltene Cholesterin war in Verruf geraten: Zu hoher Konsum sollte zu Herz-Kreislauf-Krankheiten führen. Inzwischen hat die Forschung weitgehend entwarnt: Wie viel Cholesterin jemand isst, beeinflusst nämlich kaum seinen Cholesterinspiegel im Blut. Verbraucher kochen und backen wieder mehr mit Butter.
  • Rolle Chinas. Die Importe Chinas von Milchprodukten sind stark gestiegen. Bereits 2016 hatte sich laut der Zentralen-Milchmarkt-Berichterstattung die Importmenge im Vergleich zu 2014 fast verdoppelt. Für Deutschland ist China dem MIV zufolge inzwischen der wichtigste Markt. Die erhöhte Nachfrage treibt den Preis nach oben.
  • Flexible Preise: In den Lieferverträgen für Trinkmilch, Naturjoghurt oder Käse sind die Preise oft über Zeiträume von sechs Monaten bis hin zu einem Jahr festgelegt. Bei Butter hingegen sind es nur ein bis drei Monate, deswegen können die Preise in kürzeren Abständen steigen. Börgermann rechnet damit, dass die Preise in den nächsten Monaten auf hohem Niveau bleiben werden.
  • Lager sind leer. Als Folge der sinkenden Produktion und der steigenden Nachfrage sind nun die Lager leer. Die Milchbauern können nicht von heute auf morgen ihre Produktion steigern. Mehr Kühe zu züchten, dauert seine Zeit.

Solange die Nachfrage groß und das Angebot klein ist, werden wohl auch die Preise für Butter hoch bleiben. Das spürt der Verbraucher: Ein Bundesbürger isst laut dem MIV etwa sechs Kilogramm Butter im Jahr. Beim jetzigen Preis zahlt der Deutsche im Schnitt also rund 48 Euro im Jahr für seinen Butterkonsum.

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