Tiefkühlkost versus Konservendose: Was ist besser?

Saisonales Obst und Gemüse ist gesund und zudem umweltfreundlich. Doch wie sieht das eigentlich bei Tiefkühlkost und der Konservendose aus? Welche Konservierungsmethode ist für Vitamine und Mineralstoffe am schonendsten – und somit am gesündesten? Welche Methode ist am umweltfreundlichsten?

Gesunde Ernährung: Tiefkühlkost oder Konservendose?

Frisch geerntetes Obst und Gemüse enthält besonders viele wichtige Nährstoffe. Vitamine – wie Vitamin C – reagieren allerdings sehr empfindlich auf Licht, Wärme und Sauerstoff. Deshalb sollten Obst und Gemüse nicht zu lange Transportwege zurücklegen und möglichst frisch gegessen werden. Doch was passiert mit den Nährstoffen beim Konservieren durch Einfrieren oder in der Konservendose?

Frisches Obst und Gemüse wird bei der Verarbeitung zu Tiefkühlkost bereits wenige Stunden nach der Ernte eingefroren. Das hat eindeutige Vorteile: Die Gehalte an Mineralstoffen und Vitaminen sind noch sehr hoch und bleiben bei durchgängigen Minusgraden auch weitgehend erhalten. Eine Studie der Universität Hamburg zeigt, dass sich der Vitamin-C-Gehalt roher Erbsen nach sieben Tagen Lagerung bei Raumtemperatur bereits deutlich verringerte, während sich der Gehalt bei einer zwei Jahre andauernden Tiefkühllagerung bei -25 Grad kaum veränderte (Studie pdf).

Ein weiterer Pluspunkt: Tiefgekühltes Obst und Gemüse kommt ohne Konservierungsmittel aus. Tiefkühlkost – zumindest wenn es sich nicht um TK-Fertiggerichte handelt – schneidet aus gesundheitlicher Sicht also gut ab, doch wie sieht es bei der Konservendose aus?

Erdbeeren werden nur wenige Stunden nach der Ernte schockgefrostet
Erdbeeren werden nur wenige Stunden nach der Ernte schockgefrostet. (Foto © Thomas Siepmann unter CC BY 2.0 )

Im Vergleich zu frischen oder tiefgekühlten Produkten haben Obst und Gemüse aus dem Glas oder der Konservendose einen geringeren Nährstoffgehalt: Es wird heiß sterilisiert, um Mikroorganismen abzutöten und Enzyme zu inaktivieren. Dadurch wird das Produkt zwar haltbar gemacht, wichtige Nährstoffe wie hitzeempfindliche Vitamine leiden allerdings darunter. Hinzu kommt, dass meist Mischungen aus Wasser, Zucker, Säuren, Kräutern und teilweise auch Zusatzsstoffen hinzugegeben werden.

Ein weiterer Aspekt, der aus gesundheitlicher Sicht nicht für die Dose spricht: Konservendosen bestehen meist aus Weißblech oder Aluminium, beide Metalle sind stabil und schützen das Lebensmittel vor Gasen, Licht und Gerüchen. Damit sich keine Metalle aus der Dose lösen und auf das Lebensmittel übergehen, wird die Innenfläche mit Kunststoff versiegelt. Häufig enthält diese Kunststoffbeschichtung allerdings das gesundheitsbedenkliche Bisphenol A (BPA): Es steht im Verdacht, im Körper wie ein Hormon zu wirken.

Im gesundheitlichen Vergleich liegt die Tiefkühlkost eindeutig vor der Konservendose. Doch wie sieht es bei der Umweltverträglichkeit aus?

Tiefkühlkost oder Konservendose: Was ist besser für die Umwelt?

Tiefkühlkost war lange als besonders umweltschädlich verschrien: Die aufwändige Herstellung und die energieintensive Lagerung zuhause im Tiefkühlfach können gar nicht umweltfreundlich sein. Doch eine Untersuchung des Freiburger Öko-Instituts (pdf) zeigt, dass das nicht unbedingt stimmt. Die Freiburger Wissenschaftler untersuchten verschiedene Produktgruppen: Brötchen, Hühnerfrikassee, Erbsen, Pizza und Reibekuchen. Bei allen Produkten lagen die Treibhausgasemissionen der verglichenen Varianten relativ nah beieinander.

Klimabilanz von Erbsen aus dem Glas, der Dose und tiefgekühlt
Klimabilanz von Erbsen aus dem Glas, der Dose und tiefgekühlt (Foto © Oeko-Institut e.V. unter CC BY 2.0 )

Das Beispiel der Erbsen zeigt, dass die unterschiedlichen Varianten relativ nah beieinander liegen. Die beste Klimabilanz haben die Erbsen aus der Konservendose, während die Tiefkühlerbsen im Mittelfeld liegen. Die Ergebnisse hängen jedoch stark von den Randbedingungen ab, so hat beispielsweise die Lagerdauer im Gefrierschrank einen großen Einfluss auf das Gesamtergebnis. Insgesamt beeinflusst unser Verhalten zu rund 38 Prozent die Klimabilanz der Erbsen: Durch die Zubereitung, die Lagerung im Haushalt, den Abwasch, die Einkaufsfahrt sowie die Wahl und Einstellung des Kühlgerätes lässt sich viel bewirken.

Bei der Ökobilanz von Hühnerfrikassee schneidet das Tiefkühlprodukt im Vergleich zum ungekühlten oder selbst zubereiteten Produkt besser ab, was auch an der industriellen Zubereitung in großen Mengen liegt. Aber auch hier liegen die Werte nah beieinander.

Klimabilanz von Hühnerfrikasse
Klimabilanz von Hühnerfrikassee (Foto © Oeko-Institut e.V. unter CC BY 2.0 )

Die Darstellung zeigt, dass hier nicht der Verbraucher den meisten Einfluss auf das Ergebnis hat, sondern die Art und Weise, wie die Rohwaren bereitgestellt werden. Bei Gemüse also der Anbau und bei Fleisch die Viehaltung. Bei Hühnerfrikassee macht die Haltung der Hühner rund 42 Prozent der Rohwarenbereitstellung aus. Entscheidend für die Ökobilanz ist es demzufolge, ob es sich um tierische Produkte handelt und ob das Produkt aus vielen verschiedenen Zutaten zusammengesetzt wird.

Unser Handeln hat einen großen Einfluss

Das generelle Fazit der Freiburger Studie lautet: Tiefkühlprodukte sind nicht klimaschädlicher als Produkte aus der Konservendose, entscheidend sind die Rezeptur und das Verbraucherverhalten. Je höher die Anteile an Fleisch und Milch, desto größer ist der „Fixkostenanteil“ der Klimabelastung. Eine andere Studie verdeutlicht, wie groß die Auswirkungen unseres Verhaltens auf die Klimabilanz von Lebensmitteln sind:
Entscheidet sich ein Verbraucher zugunsten des Klimas für 1 kg frischer anstelle von tiefgekühlter Ware, so spart er damit eine geringere Menge an Treibhausgas-Emissionen ein, als er durch eine 2 km lange Autofahrt verursacht.

 

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